Aligner statt Kölle Alaaf

Am 23. und 24. November 2012 fand der 2. Wissenschaftliche Kongress der Deutschen Gesellschaft für Aligner Orthodontie e.V. (DGAO) in Köln statt.

Nicht dem Kölner Narrenruf, sondern der Einladung der Deutschen Gesellschaft für Aligner Orthodontie sind am letzten Wochenende im November weit über 450 Teilnehmer gefolgt, um beim 2. Wissenschaftlichen Kongress der DGAO im altehrenwürdigen Gürzenich in Köln dabei zu sein.

Diesmal beherbergte der Gürzenich nicht wie sonst eine der berüchtigten Kölner Karnevalssitzungen, sondern stellte den geeigneten, stilvollen Rahmen für die größte herstellerunabhängige, kieferorthopädische Fachveranstaltung in Europa, die sich zwei Tage lang ausschließlich mit der Alignertherapie befasste. Dabei sorgten 32 international anerkannte Referenten und insgesamt 19 Aussteller der herstellenden Industrie in einem umfassenden Programm dafür, den aktuellen Stand der Alignerorthodontie sowohl den klinischen Praktikern, als auch den wissenschaftlich engagierten Kollegen aufzuzeigen.

Den Auftakt zum Vorkongress mit dem Thema der Alignerabrechnung machte nach der Begrüßung durch den DGAO-Vizepräsidenten Dr. Boris Sonnenberg die bekannte Abrechnungsspezialistin Heike Herrmann (Köln), gefolgt vom Rechtsanwalt Michael Zach (Mönchengladbach), der mit seinem Vortrag die juristischen Aspekte zur aktuellen GOZ unter besonderer Berücksichtigung der Alignerbehandlung darstellte. 

Ausreichend gestärkt durch ein Welcome-Buffet des Hauptsponsors Align Technology erlebten die Teilnehmer die Eröffnung des wissenschaftlichen Programms durch die Tagungspräsidentin Dr. Julia Haubrich mit der Begrüßung des ersten Referenten und gleichzeitig des Präsidenten der DGAO Prof. em. Dr. Rainer-Reginald Miethke (Doha/Katar). Professor Miethke stellte mit seinem Vortrag die Frage: „Ästhetik – was ist das eigentlich?“ und postulierte nach einer überaus reich illustrierten und unterhaltsamen Präsentation die These: „Ästhetik ist, was der Patient darunter versteht – der Kieferorthopäde kann vorsichtig beraten“.

Für die Darbringung des zweiten Vortags „Science in Every Smile“ reiste der Forschungsdirektor der Firma Align Technology, John Morton, eigens aus San José, Kalifornien/USA an. Er erklärte den hohen technologischen Entwicklungsaufwand und die biomechanische Wirkungsweise der SmartForce™ genannten Attachments des Invisalign® Systems in der aktuellen G3/G4-Version.

Wissenschaftliche Studien zur Zahnbewegung und damit verbundenen Wurzelresorptionen im Kontext unterschiedlicher Kraftapplikation durch die Alignertherapie wurden von Professor Dr. Gernot Göz (Tübingen) ausführlich vorgestellt. Auch die Referenten Prof. Dr. Christoph Bourauel, Mareike Simon und Ludger Keilig berichteten aus ihrer Köln-Bonner Arbeitsgruppe in komplexen Studien über die Effizienz von Zahnbewegungen durch Invisalign®. Die vorläufigen, biomechanischen und klinischen Untersuchungen sind in dieser umfassenden Form bisher einmalig, sodass diese Forschungsgruppe zusammen mit Dr. Jörg Schwarze zur Würdigung und besonderen Unterstützung der Wissenschaft auf dem Gebiet der Alignertherapie von der Deutschen Gesellschaft für Aligner Orthodontie e.V. mit einem Förderpreis von 14.000,– € ausgezeichnet wurden.

Der Züricher Kieferorthopäde Dr. Marco Tribò stellte den Einsatz von Alignern zur Lösung rekonstruktiver Probleme dar und auch die klinischen Tipps von Dr. Schwarze, der in seiner Präsentation auf neue Indikationen für die approximale Kontaktpunktreduktion hinwies, waren an den Praktiker gerichtet.

Dr. Wajeeh Khan (Hamm) zeigte durch beeindruckende klinische Beispiele die allgemeinen Limits der Alignertherapie mit seinem orthocaps®-System auf, wobei er insbesondere die Vorteile eines weichen Alignermaterials herausstellte. Um weiche Elastomere ging es auch im Vortrag von Niels Hulsink (Niederlande) zum Thema myofunktionelle Frühbehandlung von Kindern. Einen sehr anschaulichen Beitrag über die erweiterten Behandlungsmöglichkeiten von Alignern durch miniimplantatgetragene Apparaturen präsentierte Priv.-Doz. Dr. habil. Benedikt Wilmes von der Universität Düsseldorf.

In einem gemeinsam gehaltenen Vortrag von Prof. Dr. TeaWeon Kim (Seoul/Korea) und Dr. Nils Stucki (Bern/Schweiz) wurde dem Auditorium anhand von bemerkenswerten wie zahlreichen klinischen Fällen das breite Indikationsspektrum des neu entwickelten eCligner® 3D Digital Systems vorgestellt, welches bedingt durch seine Passform gänzlich auf die Verwendung von Attachments verzichten kann. 

Die Wichtigkeit von individualisierten Attachments, insbesondere die der neu entwickelten SmartForceTM-Generation, stellte hingegen Dr. Thomas Drechsler (Wiesbaden) in seiner klinischen Präsentation über die Beeinflussung der vertikalen Dimension mit Invisalign® ausdrücklich heraus, während Dr. Werner Schupp (Köln) die Bedeutung der statischen und dynamischen Okklusion in der Kieferorthopädie in seinem Vortrag betonte.

Dr. Boris Sonnenberg (Stuttgart) gelang es in etwas mehr als 15 Minuten, mit jeweils einem ausgewählten Fallbeispiel pro Jahr einen Überblick über seine zehnjährige Erfahrung mit der Invisalign®-Behandlung zu vermitteln. Und auch der Ansatz von Dr. Julia Haubrich (Köln) zur Kombination des Carrière Distalizer in der Invisalign®-Therapie stieß auf großes Interesse.

Daneben wurden die Vorzüge zahlreicher weiterer Alignersysteme, wie CA® CLEAR-ALIGNER oder das eClear mtm®Alignersystem von Dr. Knut Thedens (Bremen) bzw. Dr. Roland Jonkman (Niederlande) dargestellt. Und auch der unermüdliche Professor Dr. Rolf Hinz aus Herne ließ es sich nicht nehmen, die interessante Idee der Entwicklung eines schraubenaktivierten Aligners persönlich zu präsentieren.

Zwei von Dr. Elena Krieger (Universität Mainz) vorgetragene wissenschaftliche Studien zu apikalen Wurzelresorptionen und Auflösung von anterioren Engständen und von Prof. Dr. Alexander Vardimon (Tel Aviv/Israel) postulierte Evidence Based Guidelines zu drei weiteren Studien über die Invisalign®-Behandlungen rundeten den wissenschaftlichen Teil des Kongresses ab.

Abgeschlossen wurde die nach Angaben des Publikums äußerst gelungene Veranstaltung durch die interessanten Beiträge von Dr. Gernot Heine und Jörg Forsbach aus ihrer „bracketfreien“ Praxis in Wedemark (bei Hannover) und den Zahnärzten Dr. Jürgen Wahlmann und Dr. Stephan Höfer, die präparationsfreie Veneers und Zahnbleaching als ideale zahnärztliche Ergänzung zur Alignertherapie sehen. 

So freuen sich die Veranstalter und auch Teilnehmer schon jetzt auf den nächsten Kongress der DGAO im November 2014 wieder in Köln.